wäre dieser text ein film, sähen wir wolken vor uns, die dramatisch über uns hinweg, in blickrichtung zögen, in gemäßigtem zeitraffer. dazu hörten wir klaviermusik, dezent drängend, in tempo und dynamik anschwellend.
wäre dieser text ein film, diese szene, in der kein mensch zu sehen ist, kein wort gesagt wird, keine handlung stattfindet, setzte zu beginn des films, stimmung und tonlage, bereitete das sehende und hörende gegenüber auf ein dräuendes unheil vor, das protagonistinnen betreffen und eine handlung in gang setzen wird.
wäre dieser text ein film, dann löste jetzt das treibende schrammeln einer e-gitarre übergangslos das klavier ab, dann zeigte die kamera uns eine leere straße zwischen abgemähten maisfeldern, die sich links und rechts der straße ausbreiten, so weit es der bildausschnitt erlaubt. für einige sekunden regte sich nichts, spielte vielleicht der wind an den hängenden blättern einer vereinzelt stehen gebliebenen maispflanze.
wäre dieser text ein film, die unbelebte, beinahe unbewegte szenerie bildete einen seltsamen kontrast mit dem hektischen, voran peitschenden soundtrack, der uns betrachterinnen zunehmend kurzatmig werden ließe. diese spannung zwischen dem lauen lüftchen über einer leeren landstraße und dem stakkato der kreischenden e-gitarre, das wir über das ausgeklügelte lautsprechersystem des kinos beinahe körperlich spüren könnten, das im magen vibrierte und den puls nach oben triebe, steigerte sich stetig, bis sie die gefühlte grenze der erträglichkeit erreichte.
wäre dieser text ein film, führe im letzten moment ein ziemlich abgerocktes, ehemals offensichtlich teures auto viel zu schnell unter der kamera vorbei, genau in der mitte der straße, so dass auch ein nur gedachter gegenverkehr keinen raum auf der ohnehin schmalen landstraße hätte, weil ihm eine wahnsinnig schnelle, nur mühsam von der fahrerin unter kontrolle gehaltene schrottkarre entgegen käme. gleichzeitig risse mit dem sichtbarwerden des autos der gitarrenlärm unvermittelt ab, unmittelbar ersetzt durch den lärm des rasenden wagens.
wäre dieser text ein film, die szene endete nicht, die kamera bliebe unbewegt, das geräusch des rasens verlöre sich im gleichen maße wie das ursächliche auto in der ferne dem blick entzöge. es folgten dem ersten wagen auch nicht, wie man vielleicht vermuten würde, weitere, das erste verfolgende autos, die auf den ersten blick als entweder gesetzlich legitimierte strafverfolgungsgefährte oder als kriminell motiverte, böswillige ganovenautos zu identifizieren wären. nichts dergleichen passierte, die potentielle handlung und ihr vermeintlich erwartbarer fortgang blieben bis auf weiteres offen, wäre dieser text ein film.






